„Was der Strich einzufangen sucht, ist weniger eine äußerliche Ähnlichkeit als das li, ‚die innere Linie‘, der Dinge.“

 

Francois Cheng. Fülle und Leere. Die Sprache der chinesischen Malerei. 1991

 

 

 

Nach einem Aufenthalt in den Salzburger Alpen im Herbst 2020 zog es mich von der Malerei zurück zur Tuschezeichnung. Wie sonst das Meer, waren es jetzt die Berge, die ihre Spuren hinterließen. 

 

Die Serie alles fließt besteht aus sechs Zeichnungen, je 70 x 50 cm gross, welche einzeln gesehen oder aneinandergereiht eine Bergkette darstellen. Ausgangspunkt waren hierfür die Seen und Berge im Bluntautal südlich von Salzburg, die ich dieses Jahr zum ersten Mal besuchte und deren Masse und Naturgewalt mich faszinierten.

 

Die Bergkulisse gibt der gezeichneten Linie Orientierung, diese verlässt jedoch nach kurzer Zeit schon die realistische Wiedergabe der Natur. Denn darum geht es mir nicht. Es geht mir um die ewige Veränderung der Linie, von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende. Sie spaltet sich und läuft wieder zusammen. Die Linien gehen ineinander über, verwandeln sich von Bäumen und Bergen zu Flüssen und Wellen zu Wasserfällen und wieder zu Bäumen. Berg und Meer stehen in einer komplementären Beziehung zueinander.

 

Das Zeichnen verläuft rhythmisch, dabei wird der schwarze Strich präzise geführt und hält die Spannung zwischen Volumen und Bewegung, Vielheit und Einheit aufrecht. Alles Gezeichnete steht in Verbindung miteinander, alles fließt. 

 

Nina Gross Zeichnung Tusche Berge Fluss
alles fließt – Teil 1 bis 3 / Tusche auf Papier / 70 x 150 cm / 2020
Nina Gross Kunst Zeichnung Tusche Berge Fluss
alles fließt – Teil 4 bis 6 / Tusche auf Papier / 70 x 150 cm / 2020